Historie des Chorverbandes Münster Stadt und Land
2000 - Heute
erarbeitet von Theo Weber
Chronik ab 2000
Ein außergewöhnliches „Spectaculum“ bot sich Hunderten von Zuhörerinnen und Zuhörern am 22.Juni 2003 auf dem Prinzipalmarkt zu Münster. Parallel zur Aufführung von Richard Wagners Oper „Die Meistersinger von Nürnberg“ im Großen Haus der Städtischen Bühnen hatte der Sängerkreis seine Mitglieds-Chöre zu einem Gesangswettstreit eingeladen. Auf einer Bühne vor der Lambertikirche stellten etliche Chöre sich dem Urteil der Jury. Diese bestand aus Frau Barbara Schlick, Herrn Ulrich Rademacher und Wagnersänger Siegfried Jerusalem.
Der gemischte Chor „Canticum Novum“ wurde als bester Chor ermittelt.
Die Siegerehrung dann war außergewöhnlich: Das gesamte Ensemble der „Meistersinger- Aufführung“ kam nach dem zweiten Akt mit Pferd und Wagen vom Theater zum Prinzipalmarkt. Ihm folgte das gesamte Theater-Publikum. Die Ehrung des siegreichen Chores wurde stilecht vollzogen, und dann begab sich der Tross über den proppevollen Prinzipalmarkt zum Schloss, wo in einem Zelt die Wagneroper mit dem dritten Akt beendet wurde. Ein tolles Erlebnis!
Im Jahre 2005 feierte das Bistum Münster sein 1200jähriges Jubiläum. Auch der Sängerkreis mit seinen Chören leistete seinen Beitrag. Unter der Leitung des Kreis-Chorleiters Georg Höing wurden zwei Konzerte geplant. In der Herz-Jesu-Kirche wurde die „Messe Breve“ von Charles Gounod aufgeführt, und in der Erpho-Kirche gab es ein Konzert mit Werken von Fanny Hensel, der Schwester Felix Mendelssohn-Bartholdys, die vor 200 Jahren geboren wurde.
Bald stand erneut ein Jubiläum an: Im Jahre 1907 war der Sängerkreis gegründet worden, er wurde also 2007 stolze 100 Jahre alt. Das musste gebührend gefeiert werden, und so standen die nächsten Monate ganz im Zeichen der Vorbereitung dieses Jubiläums. Unter Mitwirkung von 12 Chören entstand die CD „Ein Jahrhundert voll Musik“, dazu wurde eine umfangreiche Festschrift erarbeitet. Im Jubiläumsjahr schließlich gab es mehrere Veranstaltungen.
Es begann am 11.03.2007 mit einem Festakt im Festsaal des Rathauses zu Münster mit vielen Ehrengästen. Hier wurde die Jubiläums-Festschrift vorgestellt.
Dann folgte am 15.04.2007 ein Konzert im Hörsaal 1 am Schloss. Unter dem Titel „Wir singen mit unseren Nachbarn“ wurde gemeinsam mit Chören aus den benachbarten Sängerkreisen musiziert. Der Erlös eines Galakonzertes am 20.05.2007 im Großen Haus der Städtischen Bühnen wurde dem Verein Musikhalle zur Verfügung gestellt.
Das beliebte „Schlossgartenkonzert“ durfte natürlich auch nicht fehlen. Am 19.08.2007 präsentierten sich etliche Chöre den Hunderten Gästen im Musik-Pavillon des Schlossgartens. Auch der Chorverband NRW erwies dem Jubiläums-Mitglied seine Reverenz. Vom 27.-28.10.2007 fand die jährliche Beiratssitzung in Münster statt. Und der Sängerkreis Münster Stadt und Land bereitete den Delegierten und ihren Begleitungen zwei schöne Tage. Bei der Matinee im November konnte dann ein sehr zufriedenstellendes Fazit des Jubiläumsjahres gezogen werden.
Angeregt von seinem Vorsitzenden, Wilhelm Schulte, begann Geschäftsführer Theo Weber ein neues Projekt: „Konzert- und Erlebnisreisen“. Unterstützt wurde er dabei von dem Reisebüro „Elan- Touristik“ aus Düren, das sich auf diese Reisen spezialisiert hatte.
Beim ersten Mal war 2008 der Deutschen liebste Ferieninsel, Mallorca, das Ziel. 90 Teilnehmerinnen und Teilnehmer machten sich auf den Weg, 66 von ihnen bildeten einen Projektchor. Kreis-Chorleiter Georg Höing studierte ein Repertoire ein, mit dem der Chor eine Messbegleitung in „La Seu“, der Kathedrale von Palma de Mallorca, und ein Konzert in der Rundkirche „La Porciuncula“ an der Playa de Palma bestritt. Vom Hotel in Santa Ponsa aus unternahm die Reisegruppe Ausflüge ins Tramuntana-Gebirge, nach Soller und Puerto de Soller sowie nach Valldemossa und Andraitx.
Diesem äußerst erfolgreichen Reiseauftakt folgten nun in zweijährigem Rhythmus weitere Reisen, bei denen sowohl das „Sightseeing“ als auch das Konzertieren auf dem Programm standen.
2010 starteten 158 Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu einer Donaukreuzfahrt. In drei Bussen ging es zunächst nach Passau und dort an Bord des MS „Viktoria“. Der erste Fahrtabschnitt führte nach Wien. Hier stand eine Stadterkundung per Bus und zu Fuß auf dem Programm. Weiter ging es zunächst nach Esztergom. Von der hoch über der Donau gelegenen Kathedrale hatte man einen herrlichen Blick über den Fluss. Gelegenheit zu einem musikalischen Gruß.
Mit den Bussen (diese begleiteten die Reisenden während der ganzen Fahrt) fuhr man weiter über Szentendre nach Budapest. Auch diese (Doppel-) Stadt wurde gebührend erkundet. In der Michaelskirche im Zentrum der Stadt gab der Projektchor ein gut besuchtes Konzert. Zurück führte die Reise über die Wachau (Krems, Dürnstein, Stift Göttweig) nach Bratislava. Auch hier konzertierte der Projektchor. Einhellig waren nach der Rückkehr in Münster alle der Meinung, dass es eine tolle Fahrt gewesen war: Verpflegung und Service an Bord excellent, Planung und Durchführung der Reise sehr gut.
Der Gardasee war das Ziel der dritten Konzerttour 2012. Mit dem Flugzeug ging es zunächst von Düsseldorf nach Verona und dann ins Hotel nach Garda. Von dort starteten Fahrten nach Malcesine, Riva del Garda und natürlich nach Sirmione. Hoch oberhalb der Etsch gestaltete der Projektchor unter der Leitung von Georg Höing eine Messe in der gleichsam an den Fels geklebten Kirche „Madonna della Corona“.
In Bardolino wurde gemeinsam mit dem Coro Alpino „La Preara“ gesungen. Und eine kleine Probe seines Könnens gab der Projektchor natürlich in der Arena von Verona. Dort wurden sogar extra die Arbeiten an der Vorbereitung der nächsten Opernaufführung unterbrochen. Ein weiterer Höhepunkt: Der Ausflug nach Venedig, Schiffstour durch die Lagune inklusive.
Unter der Leitung von Richard Homann bereitete sich ein neuer Projektchor 2014 auf eine Reise nach Polen vor. Das Ziel war Ostpreußen//Masuren. Zwei Busse steuerten zuerst Stettin an. Der Chor gestaltete hier eine Messe. Weiter ging es nach Danzig, dann wurde die Marienburg besichtigt. Es folgten ein Besuch der Wallfahrtskirche „Heilige Linde“ und auch Nikolaiken, Mragowo (Sensburg) und Olsztyn (Allenstein) lagen auf der Reiseroute. In Ilawa (Ihlau) gab es ein kleines Kirchenkonzert und anschließend ein gemeinsames Abendessen mit dem einheimischen Chor „Camerata“.
2016: Noch einmal ging es nach Mallorca. Die Reisegruppe wohnte diesmal in Paguera. Wieder standen eine Messgestaltung in der Kathedrale von Palma und ein Konzert in La Porciuncula auf dem Programm. Ausflüge gab es nach Alcudia und zum Cabo Formentor, aber auch in den Südosten der Insel, nach Cala Figueras.
Eine Busreise ins Elsass, nach Colmar, wurde für 2018 geplant. Bei dieser Reise war Eva-Maria Benning die musikalisch Verantwortliche. Auf dem Programm standen Rundfahrten durch das Elsass sowie Stadtführungen in Colmar, Eguisheim und Straßburg. Auch Freiburg im Breisgau wurde erkundet. In Oberrotweil im Kaiserstuhl gab es ein sehr unterhaltsames Konzert mit dem dortigen Männerchor. Dem schloss sich eine zünftige Weinprobe an. Besonders in Erinnerung blieb allen Beteiligten ein Gottesdienst in der evangelischen Kirche in Horburg Wihr, der vom Projektchor mitgestaltet wurde.
2020: Die Corona-Pandemie machte den Planungen einer Reise ins Baltikum, nach Litauen und Lettland, einen Strich durch die Rechnung. Schade, denn es hatten sich über 100 Personen für dieses Projekt interessiert. Nach zweimaliger Verschiebung konnte die Reise dann doch im Herbst 2022 realisiert werden. In zwei Reisegruppen ging es nach Litauen. Die größere Gruppe fuhr mit dem Bus nach Kiel und nahm dann die Fähre nach Klaipeda (Memel). Eine kleinere Gruppe flog von Frankfurt nach Vilnius, und in Klaipeda war man wieder vereint. Besichtigt wurden die Kurische Nehrung, Klaipeda mit dem „Ännchen von Tharau“ (natürlich besungen), der Berg der Kreuze, Riga, die Hauptstadt Lettlands, Vilnius und Kaunas. Der Projektchor konzertierte unter der
Leitung von Richard Homann in Riga und Kaunas. Auf dem Rückweg von Riga nach Kaunas wurde der Bus in einen Unfall verwickelt. In einer Baustelle fuhr ein LKW auf. Alle mussten in einen Ersatzbus umsteigen. Doch Busfahrer Nico Zinssmeister gelang es mit Hilfe einer Reparaturwerkstatt, seinen Bus „Walter“ so weit wieder herzurichten, dass er die Reisegruppe sicher wieder nach Münster brachte.
Zurück zum Jahr 2008. Schon länger gab es Diskussionen darüber, ob der Name „Sängerkreis“ noch zeitgemäß sei. Schließlich seien darin auch zahlreiche Sängerinnen organisiert. In die Namensfindung wurden alle Mitgliedsvereine einbezogen. Die Abstimmung war letztlich eindeutig und klar. Auf dem Kreissängertag am 14.03.2009 stimmten 70 Delegierte für den Namen
„Chorverband Münster Stadt und Land“ Es gab keine Gegenstimme und nur eine Enthaltung. Dementsprechend wurde auch die Satzung überarbeitet. Sie trat auch am 14.03.2009 in Kraft.
Im Rahmen eines Musikfestes des Westdeutschen Rundfunks WDR beteiligten sich zahlreiche Chöre des Chorverbandes an einem Chorfestival. Unter dem Motto „Münster-Musik“ fand es am 07.06.2009 in den Osmo-Hallen am Hafen statt. Trotz des eher nüchternen Ambientes war der Zuspruch von Zuhörerinnen und Zuhörern groß.
Am 28.04.2011 verstarb der langjährige Vorsitzende des Sängerkreises/Chorverbandes Münster Stadt und Land, Werner Krokowski. Auch als Präsident des Sängerbundes/ChorVerbandes NRW hat er sich große Verdienste um das Chorwesen nicht nur in Münster sondern auch darüber hinaus erworben.
Auf Ersuchen des CV NRW hatte sich der Chorverband Münster Stadt und Land 2011 bereit erklärt, die Verleihung der „Zelter- und Pro Musica-Plakette“ auszurichten. Diese wird alljährlich an Chöre oder Musikvereine verliehen, die auf eine 100jährige Geschichte zurückblicken können. Bei dieser würdevollen Veranstaltung, die am 15.05.2011 im Großen Haus der Städtischen Bühnen stattfand, wurde der CV Münster durch den Jugendchor St. Joseph und den Westfälischen Kammerchor Münster hervorragend vertreten.
Im Jahre 2011 ging auch die neue Homepage online. Für einige Unruhe sorgte die vom CV NRW veranlasste Änderung der Bestandserhebung. Neuerdings mussten jetzt auch die Namen der einzelnen Vereinsmitglieder mit Geburtsdatum und ihrem Vereinsbeitritt angegeben werden.
Befürchtet wurde Missbrauch mit den Daten, doch der ChorVerband NRW versicherte den sicheren Umgang mit ihnen, und bald wurde die erweiterte Bestandsmeldung zur Routine.
Rainer Schaphorn, engagierter Chorleiter und Mitglied des Musikausschusses als stellvertretender Kreis-Chorleiter, Träger des Bundesverdienstkreuzes, verstarb am 22.03.2012. Ihm hat der Chorverband viel zu verdanken.
Weil es immer wieder Fragen zum Versicherungsschutz für Sängerinnen und Sänger im Rahmen ihrer Mitgliedschaft gab, lud der Vorstand des Chorverbandes am 08.02.2012 zu einer Informationsveranstaltung in die Räume des Landwirtschaftlichen Versicherungsvereins Münster (LVM) ein. Ein Kreis-Chor-Konzert fand in diesem Jahre als Kirchenkonzert zur Eröffnung der Wallfahrt in Telgte statt.
Mit Else Karwatzki verstarb am 17.10.2013 ein langjähriges, engagiertes Vorstandsmitglied. Sie war seit 1981 im Vorstand tätig und fungierte als stellvertretende Schriftführerin und Frauenreferentin.
Für das Jahr 2014 ist ein Sommerkonzert zu erwähnen, das am 26.06. in Telgte stattfand. Auch gab es am 21.09.2014 wieder einmal ein Schlossgartenkonzert. Die Sammlung wurde dem Heinrich- Piepmeier-Haus zur Verfügung gestellt. Dort kümmert man sich um Jugendliche in prekären
Verhältnissen. Ein weiteres Benefizkonzert veranstalteten Chöre des Chorverbandes am 25.10.2015 zum Abschluss der Wallfahrt in Telgte. „Cantate Dominum“ hieß das Kirchenkonzert, wieder geleitet vom Chorverbands-Chorleiter Georg Höing. Der Erlös sollte helfen, die Not der Bevölkerung Nepals nach einem verheerenden Erdbeben zu lindern.
Mit dem Chorverbandstag 2016 endete eine Ära: Der Vorsitzende, Wilhelm Schulte, der dem Chorverband seit 1997 vorgestanden hatte, stellte sein Amt zur Verfügung. Die Delegierten dankten ihm für sein Engagement nicht nur mit großem Beifall, sondern auch mit der Ernennung zu ihrem Ehrenvorsitzenden. Sodann wählten sie Uwe Berger vom Chor „Total Tonal“ zu ihrem ersten Vorsitzenden. Für den ebenfalls aus seinem Amt scheidenden Chorverbands-Chorleiter Georg Höing übernahm Christa Rebeck zunächst dieses Amt, musste es aber schon nach wenigen Monaten aus persönlichen Gründen wieder abgeben. Nach einer relativ kurzen Vakanz konnte der Vorstand dann Eva-Maria Benning 2017 als neue Chorverbands-Chorleiterin vorstellen. Diese übernahm dann auch, wie vorher erwähnt, die musikalische Organisation der Konzert- und Erlebnisreise 2018 ins Elsass.
Für eine gewisse Aufregung sorgte 2018 die neue Datenschutz-Grundverordnung der NRW- Landesregierung. Rechtsanwalt Krekeler vom Vorstand des CV NRW aus Dortmund referierte im Restaurant Voßkotten, zwischen Münster und Greven gelegen, über den Umgang damit bzw. die Umsetzung im Vereinsleben.
Zugunsten des Hospizes „Lebenshaus“ gab es in Münster-Handorf ein vielbeachtetes Konzert in der Kirche St. Petronilla Handorf. Unter der Leitung von Eva-Maria Benning konzertierten mehrere Chöre des Chorverbandes.
Eine erneute Zäsur erfuhr der Vorstand im Jahre 2019. Nach 22 Jahren stellte Ludger Voß sein Amt als stellvertretender Vorsitzender zur Verfügung. Mit großem Engagement hatte er neue Ideen eingebracht und war vor allem maßgeblich an der Vorbereitung und Durchführung des 100jährigen Jubiläums 2007 beteiligt. Mit großem Dank wurde er auf dem Chorverbandstag verabschiedet. Für ihn rückte Uwe Dutkiewitz nach, der Vorsitzende des MGV „Concordia“ Mecklenbeck und Beisitzer im CV-Vorstand.
Und dann kam Corona!
Der Chorverbandstag konnte noch am 29. Februar 2020 im „Haus der Begegnung“ in Münster- Albachten abgehalten werden, dann ging (fast) nichts mehr. Chorproben und Sitzungen konnten, wenn überhaupt, nur unter belastenden Vorsichtsmaßnahmen stattfinden. Abstand halten und Maske tragen war Pflicht. Da natürlich auch die traditionelle Matinee mit Jubilarehrung „ins Wasser fiel“, wurden den betreffenden Chören die Urkunden, Anstecknadeln und Broschen zugeschickt.
Auch das Jahr 2021 ließ kaum Aktivitäten zu. Erst am 19.03.2022 konnte wieder ein Chorverbandstag einberufen werden. Die Matinee mit Jubilarehrung konnte in diesem Jahr nicht wie gewohnt im Rathaus-Festsaal stattfinden. Wegen der Tagung der G 7 Außenminister stand er nicht zur Verfügung. Ausgewichen wurde am 08.11.2022 in das „Haus der Begegnung“ in Münster- Albachten. Der Oberbürgermeister der Stadt Münster, Markus Lewe, war mit dem Fahrrad gekommen, und am Ende der Veranstaltung gab es erstmals einen kleinen Sektempfang. Zu erwähnen ist noch, dass die mehrfach verschobene Konzertreise ins Baltikum im Oktober 2022 endlich stattfinden konnte (s.o.).
Über mehrere Jahre befand sich die Homepage des Chorverbandes in einem beklagenswerten Zustand. Sie war nur schwer zu handhaben und nicht aktuell. Das änderte sich 2023, als Vorstandsmitglied Hans Lorkowski die Sache in die Hand nahm. Er verschlankte sie und gab ihr ein neues Aussehen. Zu erreichen ist sie unter www.chorverband-muenster.de
Nach dem Rücktritt von Eva-Maria Benning übernahm Jurij Berges-Maas das Amt des Chorverbands-Chorleiters. Unter seiner Leitung gab es am 29.09.2024 wieder einmal ein Schlossgartenkonzert.
Der rege Zuspruch an Zuhörerinnen und Zuhörern ermutigt zur Fortsetzung dieser Konzerte. Im September 2025 soll es wieder eines geben.
Weil sich der Chorkreis Lünen-Lüdinghausen zum Ende des Jahres 2024 aufgelöste hat, haben sich sieben Chöre daraus dem Chorverband Münster Stadt und Land angeschlossen.
Es sind dies:
MGV White Sox Ascheberg, MGV Drensteinfurt 1910 e.V., MGV „Harmonie“ 1920 Nordkirchen, MGV „Union“ Bork e.V., Parlar Cantando, Singekreis Glocke 1877 Lüdinghausen und Chor- relaBELLed e.V.
Der Chorverband Münster Stadt und Land hat sie gern in seine Reihen aufgenommen.
1987 - 1999
(aufgezeichnet von Wilhelm Schulte und Ludger Voß)
Aus rechtlichen Gründen wandelte sich der Sängerkreis im Jahr 1988 in einen eingetragenen Verein um. Die Eintragung erfolgte in das Vereinsregister beim Amtsgericht Münster unter der Nummer 3.045. In diesem Jahr trat der Sängerkreis auch dem "Förderverein der „Hochschule für Musik Münster" bei.
Der Aufbau des lokalen Rundfunks "Antenne Münster" weckte natürlich auch das Interesse des Sängerkreises. Trotz großer Anstrengungen gelang es bisher nicht, den Sängerkreis als Mitglied in die Veranstaltergemeinschaft einzureihen.
An einer vom Sängerbund NRW durchgeführten Werbeaktion mit dem Ziel, Nachwuchs für die Chöre zu bekommen, beteiligte sich der Sängerkreis natürlich auch. In ganz NRW wurde mit gleichen Plakaten in öffentlichen Gebäuden und Einrichtungen, Probelokalen und Musikschulen für das Singen im Chor geworben.
Große Resonanz fand bei den Chören die Einladung des Generalmusikdirektors der Städt. Bühnen Münster, Lutz Herbig, an einem Benefizkonzert zu Gunsten der "Aktion Sorgenkind" in der Halle Münsterland teilzunehmen. Trotz des großen Engagements der Chöre war diese Veranstaltung, an deren Organisation der Vorstand des Sängerkreises nicht beteiligt war, wenig erfolgreich. Sie fand zwar statt, aber organisatorische Fehler und ein schlechtes Marketing ließen diese Veranstaltung finanziell zu einem Misserfolg werden.
Andere, vom Sängerkreis organisierte Veranstaltungen waren dagegen sehr erfolgreich. Als Beispiel sei hier der Auftritt eines russischen Knabenchores aus Moskau in der Lambertikirche und im H1 der Universität Münster genannt. 76 Jungen im Alter von 10 bis 18 Jahren wurden vom Sängerkreis betreut. Den Kontakt zu dem Chor hatte Werner Krokowski geschaffen.
An der 750-Jahr-Feier der Stadt Telgte beteiligten sich alle dem Sängerkreis angeschlossenen Telgter Chöre. Die Stadt Münster bereitete sich auf ihre 1200-Jahr-Feier im Jahr 1993 vor. Unter der Leitung des Kulturdezernenten, Stadtdirektor Hermann Janssen, bereitete eine Projektgruppe dieses Jubiläumsjahr vor. Viele münstersche Chöre trugen mit ihren Konzerten in Kirchen, im Stadttheater, in der Halle Münsterland, im Schlossgarten und auf den Plätzen und Straßen der Stadt zu diesem großartigen Jubiläumsprogramm bei. Der Sängerkreis veranstaltete ein Kirchenkonzert mit 6 Chören in der evangelischen Universitätskirche und ein Galakonzert mit 16 Chören im großen Haus der Städt. Bühnen Münster.
Auf dem Kreissängertag 1994 hat es im Vorstand des Sängerkreises zahlreiche Veränderungen gegeben. Kreischorleiter Clemens Nagel war zurückgetreten. Seinen Aufgabenbereich übernahm Gerd Wiedau. Vom ausgeschiedenen stellvertretenden Vorsitzenden Heinz Schroer übernahm Josef Niehues das Amt. Auch der langjährige Geschäftsführer des Sängerkreises , Eduard Grote, schied aus seinem Amt aus. Sein Nachfolger wurde Wilhelm Schulte. Der bereits seit 1972 amtierende Kreisvorsitzende Werner Krokowski stand indes für eine weitere Amtszeit zur Verfügung.
Die soeben neu gewählten Mitglieder des geschäftsführenden Vorstandes erklärten den Delegierten, dass sie bei den Wahlen 1997 nicht mehr kandidieren würden. So hatten die Mitgliedschöre ausreichend Zeit sich nach geeigneten Nachfolgern umzusehen. Nachdem im Jahre 1995 Kreischorleiter Gerd Wiedau und auch sein Stellvertreter Gerhard Wild den Rücktritt von ihren Ämtern erklärt hatten, übernahm Georg Höing, zunächst kommissarisch, dieses Amt.
Wenn ein so langjährig eingespieltes Team, wie es der geschäftsführende Vorstand darstellte, ersetzt werden muss, bedeutet das erst einmal einen herben Verlust. Es bietet sich aber auch die Chance, dass neue Köpfe mit neuen Ideen die Zügel in die Hand nehmen. Die wie angekündigt 1997 ausgeschiedenen Vorstandsmitglieder Werner Krokowski, Josef Niehues, Wilhelm Schulte und Werner Dohr ehrten die Delegierten mit langem, stehend gespendeten Applaus, und als Dank und Anerkennung für ihre langjährige Arbeit und ihre großen Verdienste um den Sängerkreis wählten sie Werner Krokowski zum Ehrenvorsitzenden und Werner Dohr zum Ehrenschatzmeister.
Die nachfolgenden Wahlen hatten dieses Ergebnis:
Vorsitzender: Wilhelm Schulte
MGV Lyra 1900 Telgte
Stellv. Vorsitzender: Ludger Voß
Münsterscher Männergesangverein
Geschäftsführer: Theo Weber
MGV 1968 Albachten
Schatzmeister: Thomas Hüsken
MC LVA Westfalen
Kaum hatte der neue Vorstand seine Arbeit aufgenommen, stand schon wieder ein Jubiläum vor der Tür. Die Stadt Münster feierte das Jubiläum "350 Jahre Westfälischer Friede". Ähnlich wie im Jahr 1993 zum 1200-jährigen Jubiläum der Stadt war eine Projektgruppe mit der Koordination der Veranstaltungen und Aktionen betraut worden.
Der Sängerkreis beteiligte sich mit zwei Kirchenkonzerten als Kreischorkonzerte in Münster und in Telgte. Zur Aufführung gelangte die "Messe Breve" von Charles Gounod. Die Aufführungen wurden von Kreischorleiter Georg Höing geleitet. Natürlich beteiligten sich viele Chöre des Sängerkreises auch mit eigenen Programmen an den Veranstaltungen des Jubiläumsjahres. Ein besonders erwähnenswertes Konzert bot der Münstersche Männergesangverein im großen Haus der Städt. Bühnen Münster dar. Unter dem Titel "Hört ihr die Trommeln dröhnen? Lieder und Musik zu Krieg und Frieden" sangen und musizierten unter der Gesamtleitung von Gerhard Wild der MM, der Jugendchor des Gymnasium Paulinum, das Pro Musica Orchester Münster und die "Koninklijke Zangsvereeniging Nijmeegs Mannenkoor", ein Partnerchor des MM.
Zu den Höhepunkten des Jubiläumsjahres "350 Jahre Westfälischer Friede" gehörte das vom Westdeutschen Rundfunk und der Stadt Münster ausgerichtete "Westfälische Musikfest 1998", in dessen Programm auch zwei Chöre des Sängerkreises zu finden waren, deren Konzerte Große Beachtung und Anerkennung fanden: der Westfälische Kammerchor, der unter dem Gedanken "Verleih uns Frieden gnädiglich" unter der Leitung von Markus Föhrweißer geistliche Chormusik darbot und der MC Monasteria-Quartett, der, unterstützt vom Blechbläser-Quartett der Westfälischen Schule für Musik, in einem Rathauskonzert unter der Leitung von Rainer Schaphorn Madrigale und gesellige Chorlieder aus Renaissance und Gegenwart vorstellte.
Der neue Vorstand des Sängerkreises hat mit seinen ersten Sitzungen etliche kulturelle Einrichtungen der Stadt Münster besucht. In der Stadtbücherei, dem Stadtmuseum, der Westfälischen Schule für Musik und bei den Städtischen Bühnen tagte man und verschaffte sich durch kurze Einführungen einen Überblick über die jeweilige Einrichtung.
Auch Weiterbildungen für die Vorstandsmitglieder der Chöre wurden angeboten. Nicht nur die fachlich-klassischen Themen wie GEMA, Chorleiterverträge und Steuern wurden dabei behandelt. Ein Schwerpunkt lag auch bei dem Thema Vereinsführung und Kommunikation innerhalb des Vereines. Es waren auch die Fortbildungsangebote des Sängerbundes NRW im Angebot, die sich mit Fachgebieten wie Öffentlichkeitsarbeit und Aus- und Weiterbildung von Chorleitern, Sängerinnen und Sängern befassten.
Der Sängerkreis mit seinen Chören ist schon etliche Jahre Mitglied des "Vereins Musikhalle e.V." und unterstützt gerne dessen Belange und Aktivitäten. Erwähnenswert sind besonders die Musik- und Theaterfeste im Schloss in den Jahren 1990 und 1992, bei denen man den damaligen Oberbürgermeister Dr. Jörg Twenhöven als Moderator in einem farbenprächtigen Programm von Laienmusikern und Profis aus Oper, Tanz, Schauspiel und Orchester erleben konnte. Der Sängerkreis war hierbei durch eine große Zahl seiner Chöre vertreten.
Um den unabweisbaren Bedarf an einer Musikhalle erneut zu untermauern, wurde 1995 ein Spektakulum ganz besonderer Art und Weise auf dem Hindenburgplatz veranstaltet:
In einem Zirkuszelt, hoch zu Roß, moderierte der Generalintendant der Stadt. Bühnen Münster, Achim Thorwald, ein über dreistündiges Programm.
Diese Veranstaltung, bei der wiederum etliche Chöre des Sängerkreises mitwirkten, fand auch in den überregionalen Medien große Beachtung. Im Jahre 1999 schließlich, dem Jahr der Kommunalwahlen in Nordrhein-Westfalen, hat sich der Sängerkreis noch einmal nachdrücklich für die Belange des Vereins Musikhalle eingesetzt, in dem er mit seinen Chören eine groß angelegte Anzeigenkampagne des Vereins ideell unterstützte.
1907 - 1987
(entnommen der Festschrift " 80 Jahre Sängerkreis Münster" , 1987)
Es war nicht leicht, nach den Zerstörungen durch den Krieg und die Vernichtung von vielen Unterlagen die Anfänge des Chorwesens und die Entstehung der Gesangvereine im münsterschen Raum nachzuvollziehen. Sicherlich sind die Ermittlungen auch jetzt noch nicht vollständig. Vielleicht können sie in den folgenden Jahren durch Archivfunde ergänzt werden.
Die ersten Gesangvereine in unserem Gebiet sind nachweislich Anfang der 50erJahre des vorigen Jahrhunderts gegründet worden. Ob auch noch früher, wie in anderen Landesteilen, war urkundlich leider nicht feststellbar.
In den folgenden Jahrzehnten entstanden weitere Männergesangvereine, die sich bei besonderen Anlässen zu großen Chorgruppen vereinigten, um in der damals gewünschten Form als "Massenchor" in der Öffentlichkeit aufzutreten.
Die Chöre und Gesangvereine hatten es nicht leicht, zwischen dem eigenen musikalischen Anspruch und dem damaligen Pathos den richtigen Weg zu finden. Mussten doch für Auftritte bei besonderen Anlässen (z.B. Serenade vor dem Kaiser im Jahre 1907) die vorgeschlagenen Lieder erst genehmigt werden, bevor sie vorgetragen werden durften.
Aus den Archivunterlagen is t zu erkennen, dass die Bürger die Gemeinschaft suchten, diese in den Chören fanden und sich dabei recht wohl fühlten. Anfang dieses Jahrhunderts existierten in Münster bereits über 40 Männerchöre; im Vergleich zur Einwohnerzahl und zur Bevölkerungsdichte des Umlandes eine beachtliche Zahl.
Der Zusammenhalt der Vereine untereinander und die Gemeinsamkeit bei öffentlichen Auftritten in Massenchören führten dann schließlich am 21. Oktober 1907 zur Gründung des "Männerchorbundes Münster Stadt und Land", dessen erster Vorsitzender Geheimrat Dr. Siemon und dessen Bundesdirigent Universitäts-Musikdirektor Dr. Nießen waren. Wie hoch die Gründung dieses Männerchorbundes eingeschätzt wurde, ist daran zu erkennen, dass Kommandierender General von Vissing, Oberpräsident Staatsminister von der Recke, Regierungspräsident von Gescher, Landeshauptmann Dr. Hammerschmidt und Oberbürgermeister Dr. Max Jungeblodt in das Ehrenkomitee gewählt wurden.
Da sich bereits früher in anderen Landesteilen, besonders im süddeutschen Raum, die ersten übergeordneten Organisationen oder Bünde wie z.B.
1849 der Schwäbische Sängerbund,
1858 der Maintalsängerbund ,
1860 der Pfälzische Sängerbund,
1862 der Badische Sängerbund,
der Fränkische Sängerbund,
der Schwäbisch-Bayerische Sängerbund und
der Rheinische Sängerbund
gegründet und sich am 21.09.1862 in Coburg zum Deutschen Sängerbund zusammengeschlossen hatten, ergriff der Oberpräsident von Westfalen, Staatsminister Dr. Freiherr von der Recke, die Initiative zur Gründung eines "Westfälischen Sängerbundes".
Die Chronik berichtet dazu:
"In der richtigen Erkenntnis, dass bei der sonderlich großen Zahl der Männergesangvereine in Westfalen ein engerer Zusammenschluss nottue zur Sicherung wahrer Pflege des deutschen Männergesanges, wandte er sich im Jahre 1906 an einzelne sich dafür interessierende Männer der Provinz, die mit Freude und Genugtuung den Plan zur Gründung eines Sängerbundes aufgriffen. Der Städtische Musikdirektor Robert Laugs aus Hagen wurde beauftragt, eine Denkschrift über Zweck und Ziele des Bundes auszuarbeiten.
Robert Laugs und der Lehrer Friedrich Kauermann aus Dortmund wurden vom Oberpräsidenten beauftragt, das Deutsche Sängerbundesfest in Breslau zu besuchen, die Organisation zu studieren und zu führenden Männern Verbindung aufzunehmen. Am 02. Februar 1908 erstatteten sie vor 200 Delegierten der Männergesangvereine und Honoratioren Bericht.
Am 05. Juli 1908 kam es dann im Festsaal des "Kölnischen Hofes" in Dortmund, immer noch unter der Federführung des Staatsministers Freiherr von der Recke, zur Gründung des "Westfälischen-Provinzial-Sängerbundes" mit Bürgermeister Dr. Ernst Eichhaff aus Dortmund als 1. Bundesvorsitzenden; 2. Vorsitzender wurde Geheimrat Dr. Siemon aus Münster.
Zum 1. Bundeschormeister wurde Robert Laugs aus Hagen, zum 2. Bundeschormeister Universitätsdirektor Dr. Wilhelm Nießen aus Münster berufen.
Mit Dr. Siemon und Dr. Nießen waren damit zwei Gründer und Vorstandsmitglieder des "Männerchorbundes Münster Stadt und Land" im Vorstand des "Westfälischen Sängerbundes" vertreten. Eine Verbindung, die sich auf die künftige Entwicklung auch im münsterschen Raum nur günstig auswirken konnte.
Durch den organisatorischen Zusammenschluss der Männergesangvereine wurden die Großveranstaltungen des "Männerchorbundes Münster" zahlreicher und erfolgreicher.
So berichtete der "Westfälische Merkur" (heute "Westfälische Nachrichten")"'am 28. 07.1908 von einem Schlossgartenkonzert, bei dem über 10.000 (!) Zuhörer anwesend waren, die den Liedvorträgen von zwei ca. 900 und 200 Mann starken Männerchören lauschten. Im Übrigen war der Erlös des Konzertes für die neue Stadthalle in Münster bestimmt.
Bis zur Lähmung und Einschränkung der Chorarbeit durch den Ersten Weltkrieg waren Chöre und Vertreter des "Männerchorbundes Münster" rege beteiligt bei den Westfälischen Sängerbundesfesten in Dortmund (1910) und Hagen (1912).
Die Aktivitäten nach dem Kriege begannen bereits im Oktober 1919 mit dem Sängertag des "Männerchorbundes Münster Stadt und Land", auf dem der seit 1907 amtierende 1. Vorsitzende Dr. Siemon das Amt abgab an Rechtsanwalt Theodor Petermann.
Höhepunkt zwischen den beiden Weltkriegen war sicherlich für Münster und seine Chöre das 4. Westfälische Sängerbundesfest in Münster in der Zeit vom 10.- 12.07.1926. Rechtsanwalt Petermann im Festausschuss , Dr. Siemon als Festredner, ein Festkonzert des Männerchorbundes unter Leitung von Generalmusikdirektor Schulz-Dornburg garantierten für einen interessanten Ablauf. Die "Münstersche Zeitung" berichtete am 17.07. 1926 auf mehreren Seiten ausführlich über dieses überregionale Ereignis.
Weitere Konzerte, Serenaden, Singen vor dem Rathaus usw. sorgten für Belebung der Sängergemeinschaft. Selbst eine Gemeinschaftsfahrt mit 1.300 Sängern nach Borkum im August 1928 war vom Vorstand organisiert worden.
Schnell vergingen die Jahre und bereits am 15.10.1932 lud der "Männerchorbund Münster Stadt und Land" zu einem Festkommers aus Anlass des 25-jährigen Bestehens in die Stadthalle in Münster ein. Anwesend waren unter anderem Oberbürgermeister Dr. Zuhorn, Beigeordneter Dr. Fulda und Landeshauptmann Dr. Dieckmann. Dem Festkommers folgte am Tage darauf ein großes Festkonzert in der Halle Münsterland, das Tausende von Zuhörern angelockt hatte.
Von der Machtübernahme durch die NSDAP 1933 blieben auch der Männerchorbund und seine Chöre nicht unberührt. Wenn auch im Rahmen der Gleichschaltung der Vereine und Verbände verhindert werden konnte, dass der DSB nicht wie andere Organisationen in die Partei überführt wurde, so machte sich doch die parteiliche Überwachung bemerkbar. Das so genannte Führerprinzip wurde eingeführt. Aus den Vorsitzenden wurden Vereinsführer bzw. Kreissängerführer. Nur sie wurden gewählt, die anderen Vorstandsmitglieder vom Vereinsführer ernannt. Der "Männerchorbund " wurde umbenannt in "Sängerkreis Münster Stadt und Land". In der Regel konnten aber die Chöre ihre Selbständigkeit wahren, wenn auch mit viel Vorsicht und Zurückhaltung.
In den Kriegsjahren 1939 bis 1945 war das Vereinsleben unserer Chöre zwangsläufig ruhiger geworden, teilweise musste es ganz eingestellt werden. Dennoch, trotz der Wirren der Zeit und des schrecklichen Endes, blieb der Kontakt innerhalb der Chöre teilweise erhalten. Dies war auch mit der Grundstein zum Neubeginn nach dem Kriege. Bereits 1945 hatte der Kreisvorsitzende Petermann wieder mit 14 Chören die Chorarbeit im Sängerkreis Münster Stadt und Land beginnen können. 1949 waren es bereits 36 Chöre. Hier sollte die Aufbauarbeit der Chöre nicht unerwähnt bleiben, die mit ihrer Singe Tätigkeit zur Belebung der Nachkriegsgesellschaft und Aufmunterung der Bürger beigetragen haben.
Auch waren es unsere Chöre, die, wenn auch zaghaft und vorsichtig , sich um die Gründung von internationalen Partnerschaften bemüht hatten. Sie hatten sehr bald über die Grenzen hinaus mit ihrer Musik Brücken geschlagen und Freundschaften schneller geschlossen, als es durch Politik und Diplomatie möglich war. Leider ist diese Vorleistung unserer Chöre heute teilweise in Vergessenheit geraten. Desgleichen hatte der Sängerkreis auch den lokalen Ereignissen seine Aufmerksamkeit geschenkt und immer wieder die Sänger zu Gemeinschaftschören zusammengestellt, etwa zu Gunsten des Wiederaufbaues von Rathaus, Stadttheater oder Halle Münsterland. Bei allen Gelegenheiten war der Sängerkreis Ansprechpartner für seine Chöre. Die Zusammenarbeit und das Verständnis der Chöre untereinander waren früher wie heute gut. Das beweisen die großen Sängertreffen, deren Einladungen in der Regel von den einzelnen Chören ausgehen, sei es zu Freundschaftssingen, Gemeinschaftskonzerten, Wettstreiten, Pokalsingen oder anderen Treffen.
Auch verbinden viele Chöre ihre Auslandsreisen mit Chorgesang, meistens mit Treffen der dort ansässigen Chöre, die wiederum Gelegenheit zu Gegenbesuchen in Münster nehmen. So kam auch der Ruf, bei der britischen Militärmusikschau in der Halle Münsterland zu Gunsten des Deutschen Roten Kreuzes mit einer großen Chorgruppe mitzumachen, von den Engländern selbst. Erfreulicherweise besteht diese Zusammenarbeit bereits über zehn Jahre.
Organisatorisch trat nach dem Kriege die erste Veränderung an der Spitze des Sängerkreises im Jahre 1953 ein. Der mit kurzer Unterbrechung fast 35 Jahre amtierende Kreisvorsitzende Theodor Petermann kandidierte auf dem Sängertag im Mai 1953 nicht mehr. Gewählt wurde als sein Nachfolger Heinz Genenger, der bis zum Jahre 1972 den Vorsitz führte. Nach ihm hat Werner Krokowski den Kreisvorsitz übernommen, Dass der Sängerkreis Münster Stadt und Land seit seiner Gründung vor 80 Jahren mit bisher vier Kreisvorsitzenden auskam, war die beste Garantie für kontinuierliche Verbands- und Chorarbeit, die bis in die heutige Zeit erfolgreich war.
Musikalisch beraten und unterstützt wurde der Kreisvorstand seit seiner Gründung von bekannten und bewährten Musikfachleuten als Kreischorleiter, u.a. von:
Universitätsdirektor Dr. Nießen,
Generalmusikdirektor Schulz-Dornburg,
Franz Ludwig,
Generalmusikdirektor Dressel,
Werner Göhre,
Professor Vetter und
Chordirektor ADC Giemens Nagel.
Die gute Zusammenarbeit zwischen dem Kreischorleiter, dem Kreismusikbeirat und dem Kreisvorstand ermöglichten die kontinuierliche Durchführung von bisher 14 Kreischorkonzerten seit 1973.
Da nach dem Kriege die Chorszene sich erfreulicherweise in der Struktur veränderte, d.h. durch die vermehrte Gründung von Frauenchören, gemischten Chören sowie Kinder- und Jugendchören die Palette der anzubietenden Chormusik vielfältiger gestaltet werden konnte, wurde auch schon sehr zeitig neben den auch heute noch zahlenmäßig dominierenden Männerchören die Möglichkeit zum Beitritt in den Sängerkreis für alle Chorgattungen geschaffen. Damit war die Möglichkeit gegeben, dass bei den Kreischorkonzerten auch alle Chorgattungen berücksichtigt werden konnten. Dabei gilt eine besondere Fürsorge des Sängerbundes den angeschlossenen Kinder- und Jugendchören.
Eine weitere zum jährlichen SängerkreisProgramm gehörende Veranstaltung ist die Matinee im Rathausfestsaal der Stadt Münster mit der zentralen Ehrung von Jubilarinnen und Jubilaren aus den Chören des Sängerkreises. Mit Chor- und Instrumentalmusik festlich umrahmt und mit Festvorträgen von Persönlichkeiten aus Politik, Verwaltung und Musikwissenschaft hat sich dieser würdige Rahmen bewährt. Die Matinee ist inzwischen eine gern besuchte Feierstunde geworden.
Die Aktivitäten des Sängerkreises in den vergangenen 15 Jahren bewirkten auch eine verstärkte Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit, bei den örtlichen Politikern und den kommunalen Verwaltungen, die der Arbeit des Sängerkreises und der Chöre förderlich war, aber bei weitem noch nicht das Ziel unserer Wünsche erreicht hat. Mögen sich alle Verantwortlichen in Politik und Verwaltung darüber im Klaren sein, dass musische Bildung und deren Anwendung erst ein harmonisches Zusammenleben in einer hektischen und technisierten Gesellschaft möglich machen. Aus dieser Erkenntnis heraus entsteht aber auch eine gewisse Fürsorgepflicht gegenüber den Kulturtreibenden Institutionen, um durch Anerkennung und finanzielle Hilfen kulturfreundliche Rahmenbedingungen zu schaffen. Auf diesem Gebiet ist in den Jahrzehnten nach dem Kriege einiges versäumt worden. Die Gelegenheit, hier etwas nachzuholen, sollte nicht länger hinausgeschoben werden.
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